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Stefan Effenberg Rebel UnitedGetty Images/Footballco

Ein WM-Skandal machte ihn zum "Staatsfeind Nummer eins": Wie Stefan Effenberg seine hoffnungsvolle Karriere im DFB-Team zerstörte

Fangen wir an dem Ort an, an dem alles begann. Der fußballerische Stern von Stefan Effenberg ging 1997/88 bei Borussia Mönchengladbach auf, wo Wolf Werner als frisch beförderter Cheftrainer der Fohlen das Talent des erst 18-Jährigen erkannte und ihn zu den Profis hochzog. Von Anfang war klar, dass Effenberg mit den Tugenden eines bis dato klassischen deutschen Mittelfeldspielers wenig gemein hatte. Es war nichts Ordentliches oder Zurückhaltendes an ihm, stattdessen fiel er mit Mut, Aggressivität und natürlicher Autorität auf dem Platz auf.

Mit gerade einmal 20 Jahren war Effenberg bereits Leader einer Gladbacher Mannschaft, die zum damaligen Zeitpunkt ein Schatten ihrer selbst war und längst nichts mehr mit dem erfolgreichen Fußball der 70er Jahre gemein hatte. Seine Klasse stellte er jedoch schon zu dieser Zeit in aller Regelmäßigkeit unter Beweis, auch wenn sich früh herauskristallisierte, dass Effenberg der Typ Spieler war, der sich an keine Regeln halten würde, außer an seine eigenen. Es war ihm egal, ob ihm ein verdienter Mitspieler oder der Schiedsrichter gegenüber stand - wenn ihm etwas nicht passte, sagte er es. Oder schlimmer, er rastete aus. Gelbe Karten, Streit, Spannungen, sie folgten ihm nahezu überall hin.

  • Nur drei Jahre dauerte es, bis dann endlich auch der FC Bayern auf Effenberg aufmerksam wurde. Der Wechsel nach München hätte die perfekte Bühne für ihn sein sollen, um das nächste Kapitel auf dem Weg zum Weltstar aufzuschlagen. Und eine Zeit lang war es das auch. Er spielte stark, erzielte Tore, gab Vorlagen und schwang sich nach und nach zur unverzichtbaren Stütze des Teams auf.

    Aber selbst beim deutschen Rekordmeister hörten die Eskapaden nicht auf. Effenberg war nicht der Typ, der sich in einem System einfach unterordnen wollte, weshalb er mehrfach mit dem Trainerstab und Mitspielern aneinandergeriet. Bezeichnend dafür stand die Spielzeit 1991/92, in der die Bayern eine völlig verkorkste Serie spielten, bis zum drittletzten Spieltag gegen den Abstieg kämpften, am Ende nur Tabellenplatz zehn belegten und mit Jupp Heynckes, Sören Lerby und Erich Ribbeck drei Trainer verschlissen.

    Nach dem Abgang erfahrener Führungsspieler fehlte der Mannschaft eine klare Hierarchie. Vor allem Effenberg, mittlerweile deutscher Nationalspieler, drängte selbstbewusst in eine Führungsrolle, die er jedoch noch nicht ausfüllen konnte und geriet mit Heynckes aneinander. Höhepunkt dieses Konflikts war eine verbale Auseinandersetzung in der Kabine, bei der Effenberg den Satz gerufen haben soll: "Hey Heynckes, gehen wir mal gerade vor die Tür!" Wenig später musste der spätere Triple-Trainer des FCB seinen Hut nehmen und auch für Effenberg ging es in München zunächst nicht weiter.

  • Stefan EffenbergGetty Images

    Ein Moment während der WM 1994 prägte Effenbergs Karriere

    Zwei mehr oder minder erfolgreiche Jahr später, die Effenberg inklusive Abstieg und Wiederaufstieg bei der Fiorentina verbrachte, kam dann der Moment, der für immer an ihn erinnern sollte. Kein Tor, kein Titel, sondern eine einzige Geste, die ihn von einer ohnehin bereits äußerst umstrittenen Figur zum "Staatsfeind Nummer eins" machte. Bei der WM 1994 in den USA stand Effenberg mit 25 Jahren in der Blüte seines Schaffens, war auf dem Spielfeld körperlich dominant, spielerisch brillant und damals sicherlich einer der besten Mittelfeldakteure Europas.

    Schlagzeilen sollte es allerdings nicht wegen seiner Leistungen geben, sondern aufgrund einer Sache, die ihn bis zum heutigen Tag verfolgt. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Südkorea führte das DFB-Team bereits zur Pause souverän mit 3:0, nach der Pause entglitt die Partie jedoch bei 48 Grad im Glutofen von Dallas. Letztlich gelang es, ein knappes 3:2 über die Zeit zu retten, die mitgereisten deutschen Fans zeigten sich angesichts der mauen Leistung des klaren Favoriten aber wenig begeistert.

    Mit Pfiffen machten sie ihrem Unmut vor allem Mitte der zweiten Hälfte lautstark Luft. Als Effenberg in der 75. Spielminute von Bundestrainer Berti Vogts entkräftet vom Platz genommen und durch Thomas Helmer ersetzt wurde, brach ein regelrechtes Pfeifkonzert aus. Doch anstatt darüber zu stehen und der Empörung keine weitere Beachtung zu schenken, ließ sich Effenberg von seinen Gefühlen und seiner Erschöpfung übermannen. Er drehte sich zur Tribüne und zeigte den Mittelfinger in Richtung der Fans. Doch nicht nur für einen kurzen Moment, nicht im Joggen in Richtung Ersatzbank. Nein. Effenberg stand da, ruhig, bewusst, trotzig und streckte den verdutzten Zuschauern die provokante Geste mitten ins Gesicht.

    Und obwohl es bis heute keinerlei Dokumentation von dieser Szene gibt, ist "Effes" Mittelfinger an die eigenen Fans eines der einprägsamsten Bilder der deutschen WM-Geschichte geworden.

    Die Reaktionen darauf sollten nicht lange auf sich warten lassen. In der heimischen Presse überschlug sich die Empörung und auch der DFB ließ mit disziplinarischen Maßnahmen nicht lange auf sich warten. DFB-Präsident Egidius Braun und der ohnehin heftig kritisierte Bundestrainer Vogts berieten sich noch in der Nacht darüber, was mit Effenberg passieren sollte. Letztlich wurde an ihm ein Exempel statuiert, so ist zumindest die Meinung der Spieler von damals noch heute.

    Denn diese Mannschaft von 1994, sie war schlichtweg keine. Es war ein Team, getrieben von zu vielen Egos. Die Causa Bodo Illgner und die Spielerfrauen-Debatte schlug hohe Wellen. Da gab es zudem das öffentliche Zerwürfnis zwischen Kapitän Matthäus und Vogts. Die ständigen und beißenden Kommentare vom Kaiser Franz Beckenbauer als Experte und Kolumnist der Bild vor Ort in Richtung seines Nachfolgers. "Vogts wurde sturmreif geschossen", so lautet der Tonus von Zeitzeugen in einer herausragenden ARD-Dokuserie über das Versagen des DFB-Teams in den USA anno 1994.

    Die Undiszipliniertheiten, das missbrauchte Vertrauen, das Vogts im Turnierverlauf bei seinen Spielern feststellen musste - all das durfte am Ende Effenberg ausbaden. Weil er sich weigerte, sich öffentlich zu entschuldigen, wurde er letztlich aus dem Kader geworfen und sofort nach Hause geschickt. Keine Bankstrafe, keine Geldbuße, stattdessen die Heimreise in Schande. Weil nahezu alle Spieler kein Verständnis für ein solch hartes Durchgreifen für so eine "Lappalie" hatten, trieb der Effenberg-Rauswurf einen weiteren Keil zwischen Vogts und die Mannschaft.

    "Dann hätten sie mindestens noch vier oder fünf andere rausschmeißen müssen", erinnert sich Mario Basler in der ARD an die verhängnisvolle Mittelfinger-Affäre. Am Ende verabschiedete sich die DFB-Elf sensationell als amtierender Weltmeister im Viertelfinale gegen Bulgarien aus dem Turnier. Und Effenberg?

    Seine Karriere in der Nationalmannschaft war mit dem Affront quasi beendet. Die Partie gegen Südkorea war das letzte Pflichtspiel, welches Effenberg für eine DFB-Auswahl jemals bestreiten sollte. Abgesehen von zwei Freundschaftsspielen im September 1998 gegen Malta und Rumänien, als er für 180 Minuten und das auch noch unter Vogts' Ägide noch einmal ins deutsche Trikot zurückkehren durfte, war es um Effenbergs DFB-Laufbahn geschehen. Nicht wegen einer Verletzung, nicht wegen mangelnder Form, sondern weil er sich zwei Sekunden lang nicht beherrschen konnte.

  • Stefan EffenbergGetty Images

    Beim FC Bayern wird Effenberg unter Ottmar Hitzfeld zum "Cheffe"

    Eine Entschuldigung gab es auch nach der Suspendierung nicht. Effenberg zeigte keinerlei Einsicht für sein Verhalten, viel mehr wurden die Skandale und Eskapaden in der Folge noch mehr und noch größer. Nach einem zweiten, dieses Mal dreijährigen Intermezzo bei Borussia Mönchengladbach, das die wahrscheinlich ruhigste, konstanteste und am wenigsten dramatische Phase in Effenbergs gesamter Karriere markierte, sollte sich erneut der FC Bayern melden. Ein Angebot, welches er angesichts seiner durchwachsenen ersten Phase in München kaum ausschlagen konnte.

    Und aus sportlicher Sicht sollte sich diese Entscheidung voll auszahlen. Als absoluter Führungsspieler, Herzstück und Kapitän der Mannschaft führte Effenberg die Bayern zwischen 1999 und 2001 zu drei aufeinanderfolgenden Bundesliga-Meisterschaften sowie 2001, in einem epischen Elfmeter-Showdown gegen den FC Valencia, zum lang ersehnten Triumph in der Champions League. Den Ausgleich in regulärer Spielzeit verantwortete er höchst selbst vom Elfmeterpunkt, nachdem zuvor Mehmet Scholl einen Versuch aus elf Metern versiebt hatte.

    Trotz seiner streitbaren Persönlichkeit hatte er als absoluter Wunschspieler des neuen Trainers Ottmar Hitzfeld gegolten, der die schwierige Aufgabe übernommen hatte, den als untrainierbar geltenden "FC Hollywood" zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen. Der Schweizer machte den vormals oft belächelten Effenberg zu seinem verlängerten Arm auf dem Spielfeld und damit endgültig zum allseits anerkannten "Cheffe". Selbst eine Trunkenheitsfahrt im Oktober 1998 mit 1,1 Promille störte sein Verhältnis zum Trainer nicht nachhaltig, wenngleich er vom Verein aus disziplinarischen Gründen eine hohe Geldstrafe erhielt.

    Doch selbst in den dominantesten Jahren beim deutschen Rekordmeister, als er sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand, war der nächste Skandal nie weit entfernt. Einer der größten Streitpunkte - sein mittlerweile berüchtigter Konflikt mit Lothar Matthäus. Als Ballon d'Or Gewinner und Weltmeister war dieser damals eine international anerkannte Fußball-Legende, doch Effenberg war dies offensichtlich völlig egal. Immer wieder gerieten die beiden aneinander und kritisierten sich öffentlich in Interviews. Mitspieler mussten angeblich Partei für eine Seite ergreifen. Matthäus hatte sein Lager, Effenberg hatte sein Lager.

    Und dann war da natürlich noch der Wirbel um Effenbergs Affäre mit der Frau von Teamkollege Thomas Strunz, Claudia. Ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse, in die Mannschaft der Bayern sollte der Zwist einen Keil treiben. "Cheffe" ließ sich davon wie immer nicht beeindrucken, heiratete Claudia im Dezember 2004, nachdem er sich zuvor von seiner eigenen Ehefrau Martina hatte scheiden lassen.

    Da war sein legendärer Aufritt vor der stets kritischen Münchner Presse fast schon belustigend, als Effenberg regelmäßig in der Dritten Person von sich sprach ("Einen Stefan Effenberg kann man nicht brechen") und die anwesenden Medienschaffenden in den Senkel stellt. Schließlich sei er einer, der sich die ständige Kritik von seinen "Freunden der Sonne" nicht gefallen lasse.



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  • Stefan EffenbergGetty Images

    Effenberg rechnet in Autobiographie mit seinen Wegbegleitern ab

    Selbst nach seinem Karriereende 2004, dem ein eher erfolgloses Engagement beim VfL Wolfsburg voranging, wurde es nicht still um Effenberg. Ein leiser Abgang wäre selbstverständlich nicht passend gewesen, weshalb er in seiner bereits 2003 erschienenen Autobiografie mit dem Titel "Ich hab's allen gezeigt" noch einmal zum Rundumschlag gegen ehemalige Trainer, Mitspieler, Medien und sogar Fans ausholte.

    Sie war vulgär, sie war persönlich. Erneut schoss er gegen Matthäus, rechtfertigte die zahllosen umstrittenen Momente in seiner Karriere und entschuldigte sich für nichts. Nicht für den Mittelfinger, nicht für die Affäre, nicht für die Skandale. Und als wäre das nicht genug, enthielt das Buch auch erotische Fotos von ihm und Claudia sowie einen Haufen Rechtschreibfehler, die ihm im Anschluss in den Medien reichlich Spott einbrachten.

    Ob man ihn nun liebte oder hasste, eine schillernde Persönlichkeit des Fußballs war Effenberg allemal. Er suchte die Provokation, wo er nur konnte, aber am Ende ist es genau das, was seine Laufbahn so besonders machte. Er hatte alles, um eine deutsche Fußballikone zu werden, aber er spielte das Spiel nach seinen eigenen Regeln, Freunde der Sonne.

Häufig gestellte Fragen

Ihr Dachverband DFB wurde am 28. Januar 1900 gegründet. Achte Jahre und gut zwei Monate später, im April 1908, stieg das erste Länderspiel. Dieses verlor die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz mit 3:5.

Anders als andere Nationalmannschaften hat die deutsche kein festes Heimstadion. Deutschland spielt im Berliner Olympiastadion, in der Münchner Allianz Arena, im Dortmunder Signal Iduna Park aber auch in anderen Anlagen.

Das lässt sich aufgrund Deutschlands vieler Spielstätten nicht pauschal sagen.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich viermal zum Weltmeister, dreimal zum Europameistermeister und 2017 zum Konföderationen-Pokalsieger gekrönt.

Lothar Matthäus ist mit 150 Auftritten Deutschlands Rekordnationalspieler. Ebenfalls auf dem Podest und dreistellig sind Miroslav Klose (137) sowie Thomas Müller (131). 

Mit 71 Treffern in 137 Länderspielen führt Miroslav Klose vor Gerd Müller, der in 62 Auftritten 68-mal eingenetzt hat.

Unter anderem Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Lothar Matthäus, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Manuel Neuer, Toni Kroos u.v.m.

In erster Linie "DFB Team", aber etwa auch "DFB Auswahl".